IRL Stream einrichten: Vom Handy über SRTLA in OBS

09. Oktober 2026 · 9 Min. Lesezeit

Inhaltsverzeichnis

Für einen IRL-Stream schickst du das Bild von Handy oder Encoder per SRT oder SRTLA an einen Server, holst das Signal in OBS Studio als Medienquelle ab und lässt OBS zur Plattform streamen. So beendet ein kurzer Netzabbruch deinen Stream nicht mehr, denn OBS sendet weiter an die Plattform, während sich dein Handy neu verbindet.

Diese Anleitung zeigt dir die ganze Kette: was du brauchst, warum das direkte Senden zur Plattform so fragil ist, die drei gängigen Wege und sechs konkrete Schritte vom Server bis zum ersten Testlauf.

Was du für dein IRL Streaming Setup brauchst

  • Ein Smartphone oder einen Hardware-Encoder. Alles, was Video aufnimmt und über das Internet senden kann, funktioniert, zum Beispiel ein Handy mit Streaming-App, eine Action-Cam oder ein eigener Encoder.
  • Eine Streaming-App mit SRT oder SRTLA. Moblin (iOS) und IRL Pro (Android) sind zwei bekannte Beispiele. Moblin nennt RTMP(S), SRT, SRTLA, RIST und WHIP als unterstützte Protokolle, IRL Pro bewirbt SRTLA-Bonding über mehrere Verbindungen.
  • Einen Datentarif. Der Upload vom Handy zum Server läuft über dein eigenes Datenvolumen. Dazu unten mehr.
  • Einen Server, der den Stream annimmt. Er ist der feste, öffentlich erreichbare Treffpunkt zwischen Handy und OBS.
  • OBS Studio. Entweder auf einem PC zu Hause oder in der Cloud. OBS nimmt den Stream entgegen, ergänzt Szenen und Overlays und sendet das fertige Bild an Twitch, YouTube, Kick oder eine andere Plattform.

Warum direktes Senden zur Plattform deinen Stream beendet

Wenn dein Handy direkt zur Plattform streamt, sieht die Plattform nur eine einzige Verbindung. Verliert das Handy im Tunnel, in einer vollen Straße oder in einer schwachen Zelle das Signal, liefert der Encoder keine Daten mehr. Die Plattform wartet kurz und beendet dann die Übertragung. Bei Twitch hält der Disconnect-Schutz deinen Stream zum Beispiel bis zu 90 Sekunden online und zeigt dabei eine Platzhalter-Meldung. Verbindest du dich in dieser Zeit nicht wieder, endet der Stream wie gewohnt. Andere Plattformen haben eigene Regeln.

Die Lösung ist eine stabile Verbindung zwischen Handy und Plattform. Ein Server im Rechenzentrum nimmt deinen Stream an. OBS holt ihn dort ab und streamt weiter zur Plattform, auch wenn dein Handy kurz ausfällt. Deine Zuschauer sehen dann eine Ersatzszene statt eines beendeten Streams.

Drei Wege, den Handy-Stream zur Plattform zu bringen

VarianteSo funktioniert esGut zu wissen
Direkt zur PlattformDie App sendet RTMP oder SRT direkt an die Ingest-Adresse der Plattform.Einfachste Variante. Ein längerer Abbruch beendet den Stream, und du hast keine OBS-Szenen oder Overlays.
Server plus OBS zu HauseDie App sendet an einen Server. OBS auf deinem Heim-PC holt den Stream vom Server ab und streamt zur Plattform.Voller OBS-Funktionsumfang und Ausfallschutz. Du brauchst einen PC, der während des ganzen Streams läuft.
Cloud-OBSDie App sendet an einen Server. OBS läuft auf einem entfernten Rechner im Rechenzentrum und streamt von dort zur Plattform.Keine leistungsstarke Hardware zu Hause nötig. Du steuerst OBS per Remote Desktop oder Browser-Panel.

Für den zweiten Weg nimmt unser IRL Endpoint Server RTMP, SRT und SRTLA an, und dein lokales OBS Studio holt den Stream ab. Für den dritten Weg bringt der IRL Broadcasting Server eine vollständige OBS-Studio-Instanz in der Cloud mit. Beim Endpoint Server musst du keine Ports an deinem Heimrouter öffnen, denn Encoder und OBS bauen jeweils eine ausgehende Verbindung zum Server auf. Die folgenden Schritte gelten für beide Servertypen, Unterschiede sind jeweils markiert.

IRL Stream einrichten: Schritt für Schritt

Schritt 1: Server buchen und Region wählen

Bestelle den Server und öffne das Kundenportal, sobald dein Zugang bereitsteht. Beim IRL Endpoint Server schließen wir die Einrichtung in der Regel innerhalb von 24 Stunden ab, beim IRL Broadcasting Server innerhalb von 72 Stunden. Im Portal wählst du die Region (USA, Europa, Asien oder Südamerika) und siehst die Verbindungsdaten für App und OBS.

Nimm die Region, die dem Ort am nächsten liegt, an dem du wirklich streamst. Ein kurzer Weg zwischen Handy und Server bedeutet geringere Latenz und weniger erneute Paketsendungen. Beim Standard-Tarif des Endpoint Servers kannst du den Endpunkt jederzeit wechseln, was auf Reisen praktisch ist.

Schritt 2: Streaming-App konfigurieren

Jede SRT- oder SRTLA-App fragt dieselben Werte ab. Du findest sie im Kundenportal, in der Box mit den RTMP- und SRT-Daten:

  • Protokoll: SRTLA, wenn du mehrere Verbindungen bündeln willst, sonst SRT. RTMP geht ebenfalls, SRT ist für Mobilfunknetze aber die bessere Wahl.
  • Serveradresse und Port: die Werte aus dem Portal.
  • Stream-ID oder Key: kennzeichnet deinen Stream auf dem Server. Bei SRT hat die Stream-ID die Form publish:publish/<streamkey>.

Viele Apps nehmen alles als eine URL, und Moblin zeigt diese Form in seinem Beispiel für den Import von Einstellungen. Mit unseren Servern sieht eine kombinierte SRT-URL so aus: srt://<server>:<port>?streamid=publish:publish/<streamkey>&latency=2000. Ersetze die Platzhalter durch die Werte aus deinem Portal.

Wir empfehlen diese Einstellungen in deiner App:

  • SRT-Latenz: 2 Sekunden. Je nach App gibst du 2000 (Millisekunden) oder 2000000 (Mikrosekunden) ein. Meist gibt es dafür ein eigenes Feld, sonst hängst du den Wert wie oben an die URL an. Niedrigere Werte gehen auch, wir empfehlen 2 Sekunden aber bewusst zugunsten der Stabilität.
  • Keyframe-Intervall: 2 Sekunden.
  • HEVC auf Apple-Geräten: Bietet deine App B-Frames an, schalte sie aus.

Stelle danach Auflösung, Bildrate und Bitrate so ein, dass deine Mobilfunkverbindung sie zuverlässig hält. Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die einzelnen Apps findest du in unserem eigenen Ratgeber zu Moblin und IRL Pro.

Schritt 3: Stream als Quelle in OBS einbinden

Beim IRL Endpoint Server holst du den Stream über den Playback-Link aus dem Kundenportal in OBS. Du bindest ihn als Medienquelle ein:

  1. Füge einer Szene eine Medienquelle hinzu (englisch: Media Source).
  2. Deaktiviere Lokale Datei.
  3. Trage den Playback-Link aus dem Portal als Eingabe ein.
  4. Trage bei Eingabeformat den Wert mpegts ein.
  5. Wähle in den Transformationsoptionen der Quelle An Bildschirm anpassen.

Öffne danach noch einmal die Eigenschaften der Quelle und nimm unsere empfohlenen Einstellungen:

  • Netzwerkpuffer: 1 MB
  • Wiederverbindungsverzögerung: 3 Sekunden
  • Hardwaredekodierung verwenden, wenn verfügbar: an
  • Datei schließen, wenn inaktiv: an

Die SRT-Anleitung von OBS erklärt, dass die SRT-Latenz mindestens das 2,5-Fache der Round-Trip-Time zwischen Encoder und Server betragen sollte: Mehr Latenz gibt verlorenen Paketen mehr Zeit zum erneuten Senden, verzögert aber dein Bild. Für unsere Server gelten die 2 Sekunden aus Schritt 2 als Empfehlung, sie haben Vorrang vor dem OBS-Standard von 120 ms.

Beim IRL Broadcasting Server läuft OBS Studio stattdessen auf dem Server. Du öffnest es über Remote Desktop im Kundenportal, aber nur für Anpassungen und nicht während eines laufenden Streams.

Schritt 4: Szenen für Start, Live und Low anlegen

Lege drei Szenen an und gib ihnen dieselben Namen wie in unserem Szenenwechsel-Tool, damit OBS bei schwachem Signal etwas zeigen kann:

  • Start: wird gezeigt, wenn der Server kein Signal empfängt. Nimm ein Standbild oder einen Loop mit einer Nachricht wie „Verbindung weg, gleich geht es weiter“, dazu Musik oder bewusst stummer Ton. Die Handy-Quelle gehört hier nicht hinein, denn sie liefert gerade nichts.
  • Live: der stabile Stream. Diese Szene enthält die Quelle mit dem eingehenden Stream samt Overlays, Alerts, Chat und allem, was du sonst nutzt.
  • Low: wird gezeigt, wenn die Bitrate unter den Schwellenwert fällt. Sie nutzt dieselbe Quelle, mit einem kleinen Hinweis wie „Schwache Verbindung“. Zuschauer sehen weiter das Bild und wissen, warum es holprig aussieht.

Denk an den Ton: Dein Mikrofon kommt vom Handy, deshalb braucht die Start-Szene eigenen Hintergrundton oder muss absichtlich stumm sein.

Schritt 5: Automatischen Szenenwechsel einrichten

Du schaust unterwegs nicht auf OBS, also lass es selbst umschalten. Dafür haben wir ein eigenes Szenenwechsel-Tool entwickelt. Es wechselt zu Low, wenn die eingehende Bitrate unter einen Schwellenwert fällt, zu Start, wenn das Signal weg ist, und zurück zu Live, sobald die Verbindung wieder stabil ist.

  • IRL Endpoint Server: Du erzeugst und lädst das Tool im Kundenportal herunter. Es läuft auf deinem eigenen PC neben OBS Studio, unter Windows und macOS, und setzt voraus, dass die WebSocket-Funktion von OBS aktiviert ist, die seit OBS 28 eingebaut ist.
  • IRL Broadcasting Server: Das Tool läuft auf dem Server, mit vorkonfigurierten Szenen.

Der Standard-Schwellenwert liegt bei 800 kbit/s. Du kannst ihn anpassen, zum Beispiel mit dem Twitch-Chatbefehl !trigger 500. Der passende Wert hängt von deiner Hardware und deinem Mobilfunknetz ab. Der optionale Twitch-Chatbot, den du bekommst, wenn du bei der Bestellung einen Twitch-Kanal angibst, kündigt Szenenwechsel außerdem in deinem Chat an.

Der automatische Szenenwechsel funktioniert nur mit OBS Studio, nicht mit vMix, und Streamlabs OBS ist nicht kompatibel. Wenn du dir stattdessen ein eigenes Setup baust, kann das OBS-Plugin Advanced Scene Switcher als Alternative dienen, das Abläufe über Makros automatisiert. Die Möglichkeiten erklärt unser eigener Ratgeber zum automatischen Szenenwechsel genauer.

Schritt 6: Vor dem Rausgehen komplett testen

  1. Starte OBS, prüfe, dass die Live-Szene deine Handy-Quelle zeigt, und kontrolliere die Audiopegel.
  2. Starte einen Teststream zu deiner Plattform. Nimm einen privaten oder nicht gelisteten Test, wenn deine Plattform das anbietet, oder halte den ersten öffentlichen Test kurz.
  3. Geh draußen herum und beobachte Bitrate und Latenz in der App sowie das Bild in OBS.
  4. Erzwinge einen Abbruch, zum Beispiel mit dem Flugmodus für 20 Sekunden. Prüfe, ob OBS auf Start wechselt, der Plattform-Stream online bleibt und OBS nach dem Wiederverbinden zu Live zurückkehrt.
  5. Kontrolliere danach den Datenverbrauch und vergleiche ihn mit deiner Rechnung unten.

Wie viel Datenvolumen braucht ein IRL-Stream?

Das Volumen rechnest du aus der Bitrate: kbit/s geteilt durch 8 ergibt Kilobyte pro Sekunde, mal 3600 ergibt Kilobyte pro Stunde. Kurz: kbit/s / 8 * 3600 = kB pro Stunde, geteilt durch 1000 sind das MB pro Stunde.

Video-BitrateDatenmenge pro Stunde
2.500 kbit/setwa 1.125 MB (1,1 GB)
4.000 kbit/setwa 1.800 MB (1,8 GB)
6.000 kbit/setwa 2.700 MB (2,7 GB)
8.000 kbit/setwa 3.600 MB (3,6 GB)

Audio, Protokoll-Overhead und erneut gesendete Pakete kommen obendrauf, plane also mit Puffer. Das „unbegrenzte Datenvolumen“ bei unseren Servern bezieht sich nur auf die Serverseite. Die Verbindung vom Handy zum Server läuft über deinen eigenen Datentarif. In unserem IRL-Streaming-Ratgeber findest du ein Tool, mit dem du deinen Monatsverbrauch abschätzen kannst.

Bonding in Kürze

Mit reinem SRT nutzt dein Handy immer nur ein Netz. SRTLA ergänzt Link Aggregation: Es überträgt SRT-Verkehr gleichzeitig über mehrere Netzwerkverbindungen und verteilt ihn dynamisch je nach Netzlage, wie es das SRTLA-Repository von BELABOX beschreibt. Die Empfängerseite muss SRTLA unterstützen, und beide IRL-Server nehmen SRTLA an. Moblin kann zum Beispiel eine Mobilfunk-, eine WLAN- und mehrere Ethernet-Verbindungen gleichzeitig nutzen. Bonding hilft, wenn ein Netz schwach ist, bedeutet aber auch mehr Gesamtdatenverbrauch, weil der Verkehr auf mehrere Leitungen verteilt wird.

Bereit zum Livegang?

Mit einem Server zwischen Handy und OBS kostet dich ein schwaches Signal ein paar Sekunden Bild, aber nicht mehr den ganzen Stream. Nimm den IRL Broadcasting Server, wenn du zu Hause keinen PC laufen lassen willst.

Häufige Fragen

Wie richte ich einen IRL-Stream mit OBS ein?

Sende den Handy-Stream per SRT oder SRTLA an einen Server, füge den Playback-Link aus dem Kundenportal in OBS als Medienquelle hinzu (Lokale Datei aus, Eingabeformat mpegts), baue die Szenen Start, Live und Low und streame von OBS zur Plattform. Teste die ganze Kette inklusive erzwungenem Abbruch, bevor du losgehst.

Was ist der Unterschied zwischen SRT und SRTLA?

SRT ist ein Transportprotokoll für zuverlässiges Video mit niedriger Latenz über unsichere Netze. SRTLA verpackt SRT-Verkehr und schickt ihn über mehrere Netzwerkverbindungen, etwa zwei SIM-Karten oder SIM plus WLAN. Das nennt man oft Bonding. SRTLA braucht einen Empfänger, der es unterstützt.

Brauche ich einen PC zu Hause, um IRL mit OBS zu streamen?

Nein. Du kannst OBS auf einem PC zu Hause laufen lassen oder ein Cloud-OBS nutzen, das im Rechenzentrum läuft und per Remote Desktop gesteuert wird. Die Cloud-Variante erspart dir leistungsstarke Hardware und einen dauerhaft laufenden PC zu Hause.

Wie viel Datenvolumen verbraucht ein IRL-Stream pro Stunde?

Teile die Bitrate in kbit/s durch 8 und multipliziere mit 3600, dann hast du Kilobyte pro Stunde. Bei 4.000 kbit/s sind das rund 1,8 GB pro Stunde allein für das Video. Audio und Protokoll-Overhead kommen etwas dazu.

Muss ich Ports am Router freigeben?

Beim IRL Endpoint Server nicht. Dein Encoder und dein OBS bauen jeweils eine ausgehende Verbindung zum Server auf, deshalb brauchst du keine Portfreigabe und keine Routeränderung. Es funktioniert auch hinter CGNAT.